"Und das Fest ist fern. Und das Licht lügt. Und die Nacht ist nahe um ihn und kühl. Und er fragt eine Frau, die sich zu ihm neigt: Bist Du die Nacht?"

Donnerstag, 7. Mai 2015

Blut und Eisen

Schicksale, die uns zugefallen sind. Scharlachrote Siegeszüge auf erfrorener Erde. Wir wussten und wir wissen noch: verloren ist, wer vergisst. Grelle Lichter weiss wie Feuerlanzen. Feiernde Mündungsfeuer. Dampfende Münder rostiger Kettenbestien. Rote Sonnenaufstiege. Man strebt hinauf, dort hinauf, unter dumpfen Donnerschlägen und bebender Erde. Hier wird nichts beginnen, doch alles enden. Mutter Europa, wo alles ein Ende findet. Kaltes Licht umhüllt von Eis. Ein blaues Licht. Gekrönt von Staub und Stolz trinken wir auf die Götter tosenden Untergangs. Ein frohes Fallen in das Feuer. Nichts soll bleiben, das noch sprechen könnte, und was noch spricht, spricht fremde Sprachen. Der Sonnengott ertrinkt im Meer im Westen. Tausend Jahre sind ein Augenblick, tausende Jahre ein tiefes Atemholen. Totentänze zur Feier zerfallender Erinnerungen. Man sieht die grossen Städte brennen, die Scheiterhaufen zurückgelassener Reiche. Bald wird man beginnen, ihre Schriften zu verbrennen. Artefakte ihres Aberglaubens.

"Wir aber warten. Gefügt in Stein."
Man ist nun leichter, leichter ohne die Last des Gestern. Wer will leugnen, dass es sich jetzt schneller geht? Alles ist aufgeklärt. Weite Himmel, die sich über laute Länder dehnen. Nun ist man frei, ein Mensch zu sein. Er wird neue Städte bauen, dieser Mensch, ohne Form und Festigkeit, wuchernde Ranken im kranken Wald. Er wird neue Sprachen finden im Brei der halbverdauten Worte. Er wird neue Götter krönen, die ratlos nach Aposteln suchen. Er wird Leere sehen, wo Zeichen stehen. Wir aber warten. Gefügt in Stein. Doch unsere Träume sind aus Blut und Eisen.

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